Seilbahnbetrieb

Seilbahn und das Drehrestaurant sind bis zum 28. Februar 2017 täglich geöffnet. Unsere Betriebszeiten finden Sie unter  Fahrplan

Seilbahn
Hoher Kasten Drehrestaurant
und Seilbahn AG, Brülisau
Tel. +41 71 799 13 22
seilbahn@dont-want-spam.hoherkasten.ch

Drehrestaurant
UB-Gastro AG
Brülisau
Tel. +41 71 799 11 17
drehrestaurant@dont-want-spam.hoherkasten.ch

Geschichte Kastenbahn

Geschichte der Kastenbahn, zusammengefasst durch Hans Sutter, ehem. Geschäftsleiter der Kastenbahn, alt Bauherr, seit 1964 bei der Kastenbahn

Eröffnung und Betrieb
An die Eröffnung der Kastenbahn 1964 erinnere ich mich sehr gut. Ich stand als Maschinist im Einsatz. Während der ersten Betriebsjahre musste man die Bahn mit der sogenannten Handsteuerung bedienen. Es sass also während der ganzen Betriebszeit ein Maschinist am Kommandopult und regulierte via Potenziometer die Geschwindigkeit der Bahn, so ähnlich wie ein Lokomotivführer im Führerstand. Damals war es ein grosses Ereignis, einen Berg zu erklimmen innert acht Minuten - heute ist das ja eine Selbstverständlichkeit. In der ersten Kabine fuhren die Ehrengäste auf den Gipfel, Verwaltungsräte, Behördenmitglieder und Vertreter der Herstellerfima. Bei der Feier im Berggasthaus konnte ich nicht dabei sein, weil ich eben als Maschinist tätig war. Abends gab es ein grosses Fest in der "Krone", Brülisau.

Bauzeit
37 Jahre lang war ich für die Kastenbahn tätig - nebst der Familie war das für mich der wichtigste Abschnitt meines Lebens. Seilbähnler zu sein war für mich immer mehr als ein Beruf, es war eine Berufung. Meine Leidenschaft für Seilbahnen begann mit dem Bau der Ebenalpbahn Mitte der 1950er-Jahre. Ich war als Elektriker im Berggasthaus auf der Ebenalp beschäftigt und beobachtete die Seilbahnmonteure bei ihrer Tätigkeit. Ihre Arbeit in schwindelerregender Höhe beeindruckte mich, die Technik faszinierte mich. Als das Projekt Kastenbahn vorbereitet wurde, bewarb ich mich als Chefmaschinist und bekam die Stelle. Später wurde ich vom Chefmaschinist automatisch zum Betriebsleiter. Während dreier Monate erhielt ich bei der Firma Habegger in Thun, der Herstellerfirma der Kastenbahn, Einblick in die Technik und die Herstellung von Seilbahnteilen. Ich reiste mit der ersten Lastwagenkarawane, die fertige Elemente für die Kastenbahn transportierte, von Thun nach Brülisau. Wohl bin ich noch der einzige Mitarbeiter, der sowohl den Spatenstich erlebte wie auch während der gesamten Bauzeit mitwirkte.

Der Bau war für alle eine grosse Herausforderung. Als erstes mussten wir eine Baubahn mit fünf Masten erstellen, mit der wir das Material für das Berggasthaus auf den Gipfel führen konnten. Es folgten die Stützen und der Seilzug der Bahn, ebenso die Talstation mit Maschinenraum und elektrischer Steuerung. Teilweise wurden die Stützenelemente mit dem Maulesel transportiert, teilweise mit dem Helikopter. Um das notwendige Bau- und Stützenmaterial für die jetzige Stütze 2 zu transportieren, wurde vom "Strubenböhl", Pfannenstil, eine Transportbahn des Systems Stricker, Urnäsch, montiert. Die Bauzeit habe ich als intensive und lehrreiche Zeit in Erinnerung.

Erste Betriebswochen und Kinderkrankheiten
In den ersten Betriebswochen hatten wir mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen: So mussten wir die BBC-Relaissteuerung immer wieder neu regulieren, auch die Sicherheitsanlage, heute FUA genannt, war äusserst diffizil. Die Stromabnahme von den Förderseilen mit sogenannten Schleifkontakten war sehr mangelhaft und führte zu verschiedenen Störungen. Zudem war der Rollendruck für die Laufwerkrollen nicht richtig berechnet worden, so dass bei Hochbetrieb die Rolleneinlagen durchbrannten und augenblicklich gewechselt werden mussten. Man kann sich vielleicht die Reaktion der Fahrgäste vorstellen, auf jeden Fall waren die Nerven des Betriebsleiters aufs äusserste gespannt. Als Betriebsleiter besetzte ich nur noch in seltenen Fällen als Maschinist den Kontrollraum. Meine Arbeit umfasste vor allem die Organisation des Bahnbetriebes, der technischen Leitung und die gesamte Administration. Die Wetterverhältnisse in Brülisau machten eine Planung nicht immer einfach. Mit dem Föhn kämpfte ich einige Male. Zu entscheiden, ob der Betrieb aufgenommen oder aus Sicherheitsgründen eingestellt wird, bereitete mir manches Mal Kopfzerbrechen. Damals konnte man noch nicht auf die technischen Hilfsmittel zurückgreifen, die heute bekannt sind und mit denen das Wetter sehr detailliert prognostiziert werden kann.

Vom Ganzjahresbetrieb zum Sommerbetrieb
Bis 1983 war die Kastenbahn ein Ganzjahresbetrieb. Zum Unternehmen gehörten während dreier Winter ebenfalls die Skilifte Brülisau-Leugangen und Schwende-Schaienegg. Die Skipiste Hoher Kasten-Kamor-Brülisau war in den 1960er- und 1970er-Jahren eine beliebte Abfahrt. Wir präparierten die Pisten und stellten eine Pisten- sowie eine Rettungsmannschaft. Der Aufwand war gross, doch lohnte er sich. Die Gäste kamen hauptsächlich aus Deutschland, manchmal standen mehrere Cars auf dem Parkplatz, jedenfalls war am Sonntagmorgen die "Krone" Brülisau bis auf den letzten Stuhl besetzt. Als in den 1980er-Jahren die Winter unsicherer wurden, entschied der Verwaltungsrat, den Winterbetrieb einzustellen.

in den 1970er- und 1980er-Jahren boomte das Geschäft, die Kastenbahn verzeichnete gewaltige Tagesfrequenzen. An schönen Herbsttagen zählten wir zwischen 3500 und 4500 Besucher. Solche Tagesfrequenzen erreicht man heute kaum mehr, dafür ist die Auslastung gleichmässiger übers Jahr verteilt. Dem Andrang konnten wir nur gerecht werden, indem wir das System "Platzkarten" einführten. Teilweise mussten sich die Gäste bis zu zwei Stunden gedulden, das heisst, einige Kabinen abwarten, bevor sie befördert werden konnten. Bei solchem Hochbetrieb fungierte ich hauptsächlich als Organisator für den Betriebsablauf und wirkte für die Platzkarten-Abgabe als Speaker.

Höhepunkte
Höhepunkte während meiner Zeit bei der Kastenbahn gab es viele, auch jede Revision gehörte für mich dazu. Doch erinnere ich mich vor allem an die periodischen Erneuerungen der Förderseile sowie an den ersten Ersatz der Kabinen im Jahre 1990. Ein grosser Umbau stand bei der Revision 1994 an; damals wurde die bestehende Ward-Leonard-Gruppe, welche den Wechselstrom in Gleichstrom umwandelte, durch die Tyristor-Anlage (Gleichstrom-Anlage) ersetzt. Damit wurde die ganze elektrische Steuerung modernisiert und der damaligen Technik angepasst. Mit dieser Erneuerung konnte der Kabinenbegleiter von der Kabine aus die Seilbahn selbständig in Betrieb setzen. Sehr umstritten war manche Jahre der Ersatz der neuen Laufwerke. Mein Nachfolger durfte dann im Jahr 2001 zeitkonforme Laufwerke montieren lassen.

Touristische Highlights
Auch touristische Highlights sind mir geblieben: Etwa die Eröffnung des geologischen Wanderwegs 1971, den Professor Hans Heierle sel. aus Trogen initiiert hatte. Bei der Entstehung durfte ich massgebend mitwirken. Der Weg war ein Zugpferd, unzählige Studenten und Mittelschüler besuchten ihn. Als wir in den 1970er-Jahren den ersten Delta-Flieger auf den Gipfel transportierten, stiess das auf grosses Zuschauerinteresse. Die 1. Augustfeiern auf dem Gipfel waren viele Jahre sehr gut besucht. Darüber freute ich mich sehr, da ich die gesamte Organisation des Anlasses innehatte. Die Bundesfeiern wurden jeweils umrahmt von Jodelchörli, Fahnenschwingern, Musikkapellen und prominenten Festrednern. Das Publikum war begeistert.

Mit der Gründung des Sport- und Wanderclubs Brülisau im Jahre 1971 entstand eine Vereinigung, die auch in touristischer Hinsicht aktiv war und den Bekanntheitsgrad von Brülisau und des Hohen Kastens stärkte. Der Sport- und Wanderclub erstellte im Winter Langlaufloipen rund um Brülisau und führte im Sommer Sportanlässe oder geführte Wanderungen im Alpstein durch. Noch findet jährlich der beliebte Berglauf statt, der eine nicht zu unterschätzende Werbewirkung für das Ausflugsziel Hoher Kasten hat.

Umbruch in die Moderne
Im Jahr 2000 verliess ich als Betriebsleiter die Kastenbahn, 2001 arbeitete ich aushilfsweise als technischer Leiter. Ab 2007 wurde ich von der heutigen Verwaltung interimistisch als technischer Leiter der Seilbahn angestellt. Die Ironie wollte es, dass ich das Baumaterial, das ich 1964 für den Bau des Berghotels auf den Gipfel transportierte, 2007 wieder als Bauschutt ins Tal führte. Mit der Eröffnung des Drehrestaurants begann eine neue Epoche mit ganz anderen Infrastrukturen und Betriebsabläufen. Dass ich bei der Eröffnung des neuen Drehrestaurants dabei sein durfte, freute mich ausserordentlich; es ist eine Attraktion. Die Architektur wird stets lobend erwähnt, und die Führung des Hotels erhält bis anhin eine gute Resonanz. Während meiner Zeit als Betriebsleiter habe ich mit 13 Wirten zusammengearbeitet. Diese vielen Wechsel waren nicht zuletzt auf die mangelnde Infrastruktur des alten Berggasthauses zurückzuführen.

Team und Kameradschaft
Bei der Kastenbahn erlebte ich nicht nur eitel Sonnenschein, es gab auch trübe Tage. Wir hatten zwei tödliche Arbeitsunfälle zu verzeichnen. Hans Fritsche verunglückte im Jahre 1966 und Emil Inauen 1987.

Im März 2010 passierte der Revisionsunfall, bei dem ich schwer verletzt wurde. An den physischen und psychischen Verletzungen litt ich schwer. Die konziliante und kameradschaftliche Haltung des Verwaltungsrates und der Mitarbeiter halfen mir über die schwere Zeit hinweg, zudem hatte ich die Genugtuung, dass ich sechs Millionen Passagiere ohne die geringste Verletzung zu Berg und zu Tal transportieren durfte. Es freut mich sehr, dass ich als zweiter Stellvertreter des jetzigen technischen Leiters noch immer hie und da zum Einsatz komme. Mit dem Team und dem Verwaltungsrat pflege ich ein tolles Verhältnis. Zum Jubiläum wünsche ich der Kastenbahn alles Gute. Ich durfte die Bahn von Kindesbeinen an bis zu ihrer heutigen Reife begleiten, und es macht mich stolz, noch immer ein Teil dieses Unternehmens zu sein.

 

 

Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG